Fast ein alpiner Pfad: der Magdeburger Weg

13.07.2014: Parkplatz kurz vor Altenau, von Oker kommend – Köte Brockenblick – Altenau – Kräuterpark – Schultal – Tischlertal – Dammgraben – Förster-Ludwig-Platz – Nabentaler Wasserfall – Magdeburger Weg – Parkplatz kurz vor Torfhaus – Kellwassertal – Okerstausee/ Vorsperre – Parkplatz kurz vor Altenau

Riesenbärenklau - Heracleum mantegazzianum

Riesenbärenklau – Heracleum mantegazzianum

Kurz vor dem Ortseingangsschild von Altenau, von Oker kommend, liegt nach der Einfahrt zum Campingplatz an der Okervorsperre ein winzig kleiner Wanderparkplatz auf der linken Seite. Hier beginnt die heutige Wanderung. Vom Parkplatz aus geht es bis zum Waldrand, denn folge ich dem schmalen Pfad, der direkt am Ortsrand von Altenau entlangführt, bis etwa auf Höhe der ersten Bushaltestelle in Altenau (um diese zu sehen, muß man an einer Kreuzung kurz vom Pfad abzweigen und auf die Hüttenstraße in Altenau blicken). Hier geht es nach links, bergan auf Asphalt auf den Schwarzenberg hinauf. Nachdem die letzten Häuser oben am Hang passiert sind, geht der Weg in eine geschotterte Forststraße über. Am Wegrand entdecke ich einen Neophyten: den Riesenbärenklau. Es handelt sich dabei um eine ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze, die aus Gärten heraus verwildert ist und invasiven Charakter trägt, sich also innerhalb kürzester Zeit sehr stark verbreitet hat. Für den Menschen ergibt sich eine zusätzlich unangenehme Wirkung: er enthält photosensibilisierende Inhaltsstoffe, die in Verbindung mit Licht bei Berührung schmerzhafte Verbrennungserscheinungen auf der Haut auslösen; möchte man die Pflanze entfernen, sollte man das daher nur mit Schutzkleidung tun. Ich jedoch betrachte sie nur und gehe an ihr vorbei hinauf in den Wald.

Blick von der Köte Brockenblick auf Altenau

Blick von der Köte Brockenblick auf Altenau

St. Nikolai in Altenau

St. Nikolai in Altenau

In der Höhe angekommen, halte ich mich zweimal rechts, dann führt mich der Weg über eine gerodete Fläche zur Köte Brockenblick auf dem Schwarzenberg, von der aus man eine wirklich schöne Sicht über Altenau genießen kann. Nach kurzer Rast steige ich auf einem waldigen Serpentinenpfad wieder nach Altenau hinunter und folge erneut dem Wanderweg, der am Rand von Altenau nach Osten verläuft. Immer wieder öffnet sich der Blick zwischen Bäumen hindurch auf den Ort, auch auf die Kirche St. Nikolai. Da ich weiter hinten die Straße Richtung Torfhaus queren möchte, verlasse ich diesen Waldpfad und gehe durch die Straße „An der Bornkappe“ weiter nach Osten. Hier passiere ich die Rückfront des umzäunten Kräuterparks von Altenau, der der größte Kräuterpark Deutschlands sein soll. Leider gibt es hier hinten keinen Eingang, man muß schon die Straße nach Torfhaus (das Schultal) wählen, um ihn zu betreten. Hinterher ist man halt immer schlauer, und so wird nichts aus diesem Abstecher. Am Ende der Straße gelange ich auf schmalem Pfad an einem Feuchtbiotop vorbei hinunter zur Straße zwischen Torfhaus und Altenau – hinter den letzten Altenauer Häusern. Und sicher habe ich auch hier nicht den optimalen Weg gewählt, denn nun gehe ich weg- und gehweglos auf der Fahrstraße Richtung Torfhaus bis zum nächsten Wanderparkplatz. Ziel: das Tischlertal. Man könnte wohl auch sofort die Straße queren und über den Mühlenberg erst nach Südwesten, dann an einer Gabelung nach Osten zum Tischlertal wandern, sicher die nettere Alternative. Aber auf die Idee komme ich nicht bzw. mißtraue der Wegführung – vermutlich ohne Grund.

Brauner Waldvogel - Aphantopus hyperantus

Brauner Waldvogel – Aphantopus hyperantus

Dammgraben

Dammgraben

So quere ich die Straße zwischen Altenau und Torfhaus am Wanderparkplatz und wandere geradeaus das Tischlertal hinauf – und gehe wiederum etwas umständlich, indem ich an einer Wegkreuzung den Bach quere und dem Wegweiser Richtung „Kleine Oker“ folge, statt weiter geradeaus an ihm entlangzugehen (auf diesem Pfad käme man direkt zur Markierung „Kleine Oker“ am Dammgraben). Dadurch gehe ich einen Bogen und stehe in einem Geländestück, auf dem zwar nicht an diesem Tag, aber doch zur Zeit Forstarbeiten stattfinden und Wege und Wald großflächig durch Einsatz schwerer Maschinen stark zerstört sind. Ich bin etwas orientierungslos und frage ein herankommendes Ehepaar nach dem besten Weg zum Dammgraben, den ich als nächstes erreichen will. Als sie erfahren, daß eine meiner Omas in Bad Harzburg gelebt hatte, tauen sie richtig auf und erzählen mir jede Menge über Altenaus Wanderwege. Wir verabschieden uns, und ich finde problemlos den Dammgraben, dem ich nun längere Zeit folgen werde. Das Dammgrabensystem wurde im 18. Jahrhundert zu Bergbauzwecken angelegt. Das Wasser fließt ruhig und beruhigend neben mir her, braun vom hohen Eisengehalt. Es ist sehr entspannend, fast eben neben dem Dammgraben auf dem Harzer Hexenstieg zu gehen, der hier verläuft. Erneut passiere ich die Straße zwischen Altenau und Torfhaus und wenig später den Rastplatz am Förster-Ludwig-Platz. Hier findet sich auch, wie an vielen Stellen im Harz, ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Auf dem Magdeburger Weg

Auf dem Magdeburger Weg

Nun geht es kurz bergauf, dann führt der Weg am Dammgraben immer weiter, bis endlich der Dammgraben zurückbliebt und der Weg ab dem Nabentaler Wasserfall als Magdeburger Weg schmal und steinig Richtung Torfhaus verläuft. Immer wieder tauchen steile Klippen und Felsformationen auf, der Weg trägt beinahe schon alpinen Charakter. Links des Wegs fällt der Wald steil in eine Schlucht hinein ab. Und einsam ist es hier, man begegnet kaum einem anderen Menschen. Ich hatte gar nicht gewußt, daß der Harz auch so aussehen kann… Wenn der Wald ein Stück Himmel freigibt, sehe ich schwere Turmwolken heraufziehen und erinnere mich, daß auch für den heutigen Nachmittag Gewitter angesagt sind. Obwohl der Weg an sich idyllisch verläuft und überaus empfehlenswert ist – zumindest für trittsichere Wanderer ohne Kinderwagen und anderes Gefährt – wird die Stimmung langsam ein wenig beklemmend. So gehe ich zügiger, als es dieses schöne Wegstück eigentlich verdient hat.

Am Mageburger Weg

Am Mageburger Weg

Junger Holunder - Sambucus nigra

Junger Holunder – Sambucus nigra

Nach langem Gehen erreiche ich die Straße kurz vor Torfhaus und den Parkplatz am Skihang. Von hier aus geht es zunächst sanft über Wiesen bergab – allerdings im vollen Angesicht der mittlerweile herangezogenen, tiefschwarzen Wolken -, dann auf kaum erkennbarem Graspfad steil bergab in die schon vorher sichtbare Schlucht, das Kellwassertal.

Jungfernklippe

Jungfernklippe

Schließlich erreiche ich wieder eine geschotterte Forstraße, die weiter bergab führt. Ein kurzer Abstecher zur ca. 300 m entfernten Jungfernklippe ist noch drin, dann folge ich der geschotterten Forstraße durch das durchaus hübsche, blumen- und waldbestandene, von einem netten plätschernden Bach begleitete Kellwassertal. Geradezu lieblich erscheint es nach dem Magdeburger Weg; die beklemmende Stimmung weicht vollends, als sich die schwarzen Wolken als reine Regenwolken ohne Gewitter entpuppen. Etwa drei Gehstunden lang führt nun der Weg zurück zur Vorsperre des Okerstausees, unverfehlbar immer geradeaus durch warmen Sommerregen.

Kellwassertal

Kellwassertal

Echtes Mädesüß - Filipendula ulmaria

Echtes Mädesüß – Filipendula ulmaria

Kurz vor der Vorsperre hört auch der Regen auf, und die Sonne zeigt sich wieder als Abendlicht, schimmernd über dem Wasser des Stausees. Das Ufer ist blumenbestanden mit Mädesüß, Johanniskraut, Fingerhut und Margeriten. Ein idyllischer schmaler Pfad führt an der Vorsperre entlang bis zum kleinen Wanderparkplatz, an dem ich viele Stunden zuvor aufgebrochen bin. Heute habe ich eine ganz neue Seite des Harzes kennengelernt!

Okervorsperre

Okervorsperre

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1 Response to Fast ein alpiner Pfad: der Magdeburger Weg

  1. Torsten sagt:

    Danke für diesen Blogpost und für die schönen Bilder! Der Magdeburger Weg zählt zu meinen Lieblingsorten im Harz, und ich freue mich immer, wenn er anderen „Waldläufern“ positiv auffällt. :)
    Torsten

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