{"id":1973,"date":"2013-03-19T23:09:34","date_gmt":"2013-03-19T23:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/waldesleuchten.de\/?p=1973"},"modified":"2018-05-23T18:14:19","modified_gmt":"2018-05-23T18:14:19","slug":"karstfahrt-tag-5-vom-kohnstein-bis-zum-himmelreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldesleuchten.de\/?p=1973","title":{"rendered":"Karstfahrt \u2013 Tag 5 \u2013 Vom Kohnstein bis zum Himmelreich"},"content":{"rendered":"<p><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"> <div id=\"attachment_1980\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/?attachment_id=1980\" rel=\"attachment wp-att-1980\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1980\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Gefallenendenkmal-in-Gudersleben.jpg\" alt=\"Gefallenendenkmal in Gudersleben\" width=\"225\" height=\"283\" class=\"size-full wp-image-1980\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1980\" class=\"wp-caption-text\">Gefallenendenkmal in Gudersleben<\/p><\/div> 05.07.2012 \u2013 Einige Zeit geht es durch den Wald, dann sehen wir vom Waldrand aus das Dorf H\u00f6rningen vor uns liegen, das wir aber nicht durchqueren werden. Unser Weg f\u00fchrt am Waldrand entlang bis zum Naturschutzgebiet <a href=\"http:\/\/www.karstwanderweg.de\/kwn056.htm\" target=\"_blank\">Sattelk\u00f6pfe<\/a>. Hier beginnt ein Teil der Landschaft, die zumindest ich mir immer vorgestellt habe, wenn mir das Wort \u201eKarst\u201c untergekommen ist: Halbtrockenrasen, durchsetzt von freiliegenden Dolomit- und Gipsfelsen, in T\u00e4ler und Mulden zergliedert und hin und wieder geb\u00fcschbestanden. Die Sonne zeigt sich, zahlreiche Schmetterlinge fliegen \u00fcber bl\u00fchende Blumen. Leider bleibt nicht genug Zeit, die Botanik dieser Landschaft ausgiebig zu erkunden, wir wollen ja auch heute ein St\u00fcck weiter kommen &#8211; irgendwann werde ich sicherlich wieder hierher zur\u00fcckkommen und dann mehr Zeit f\u00fcr die Pflanzen mitbringen. Durch das Aschertal steigen wir hinunter, die Landschaft wirkt an dieser Stelle beinahe ein wenig wie in den Voralpen. Am Fu\u00df der H\u00fcgel angekommen, erwarten uns hochgewachsene, nasse Wiesen rund um das Becken des <a href=\"http:\/\/www.karstwanderweg.de\/kwn055.htm\" target=\"_blank\">Igelsumpfes<\/a>. Jetzt erweist sich die gute Beschilderung als zwingend notwendig: der Weg ist stellenweise nicht  oder nur in Form von hin und wieder niedergetretenen Pflanzen erkennbar, der Bewuchs h\u00e4ufig sogar h\u00fcfthoch. Der viele Regen der Vergangenheit lie\u00df offenbar den Bewuchs so schnell hochkommen, da\u00df man mit dem Ausm\u00e4hen der Wege nicht mehr hinterherkam.  <!--more--><br \/>\n<div id=\"attachment_1982\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/?attachment_id=1982\" rel=\"attachment wp-att-1982\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1982\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sattelk\u00f6pfe.jpg\" alt=\"Sattelkoepfe\" width=\"632\" height=\"343\" class=\"size-full wp-image-1982\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sattelk\u00f6pfe.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sattelk\u00f6pfe-300x162.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1982\" class=\"wp-caption-text\">Sattelkoepfe<\/p><\/div><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich haben wir den Kreuzungspunkt s\u00fcdlich von Gudersleben erreicht, an dem sich die Nord- und S\u00fcdroute des Westteils des Karstwanderwegs trennen. Wir entscheiden uns, die n\u00f6rdliche Route zu w\u00e4hlen, kreuzen die Wieda und wandern auf ungem\u00e4htem, h\u00fcfthoch bewachsenem, nicht mehr erkennbarem Pfad auf l\u00f6chrigem Untergrund nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gudersleben\" target=\"_blank\">Gudersleben<\/a> hinein, w\u00e4hrend die Regenwolken \u00fcber uns sich entscheiden, all ihre Wasser auf uns zu entleeren. Gl\u00fccklicherweise liegt gleich am Ortseingang der Friedhof mit einer Aussegnungshalle, die ein umfangreiches Vordach aufweist \u2013 hier lassen wir uns nieder, bis der Regengu\u00df endet. Dann gehen wir \u00fcber den Friedhof, der ein gro\u00dfes Gefallenendenkmal aufweist, hinaus in den l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Ort und verlassen ihn wieder in n\u00f6rdlicher Richtung. Ein Teil dieser Wegstrecke ist von Kirschb\u00e4umen ges\u00e4umt, dann haben wir das Aussiedlergeh\u00f6ft der Lochm\u00fchle erreicht und wenden uns wieder dem n\u00e4chsten Wald zu. An einer feuchten Stelle am Boden sammeln sich Hunderte von Kohlwei\u00dflingen und fliegen aufgeschreckt umher, als unsere Schritte sie st\u00f6ren. Nun wandern wir wieder ein gutes St\u00fcck durch den Wald, dann steigen wir durch eine Landschaft aus lichtem Geh\u00f6lz und Halbtrockenrasen steil bergab bis zu einem Abbaugebiet bei Ellrich.<br \/>\n<div id=\"attachment_1981\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/?attachment_id=1981\" rel=\"attachment wp-att-1981\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1981\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kohlwei\u00dflinge-an-der-Lochm\u00fchle.jpg\" alt=\"Kohlwei\u00dflinge an der Lochm\u00fchle\" width=\"632\" height=\"387\" class=\"size-full wp-image-1981\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kohlwei\u00dflinge-an-der-Lochm\u00fchle.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kohlwei\u00dflinge-an-der-Lochm\u00fchle-300x183.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1981\" class=\"wp-caption-text\">Kohlwei\u00dflinge an der Lochm\u00fchle<\/p><\/div><\/p>\n<p>Nach dem Passieren einer gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfe wandern wir durch den lichten Wald des Standorts Juliush\u00fctte, einst Au\u00dfenlager des KZ Mittelbau-Dora, sp\u00e4ter von Fl\u00fcchtlingen bewohnt und in den sechziger Jahren schlie\u00dflich geschleift.  Auf einer Hinweistafel hei\u00dft es: <em>&#8222;An zahlreichen Stellen der S\u00fcdharzer Karstlandschaft wurden in den letzten Kriegsjahren unterirdische Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Flugzeugteile und V-Waffen errichtet, so in der Heimkehle bei Uftrungen, bei Stempeda, Niedersachswerfen, Woffleben und Ellrich.&#8220;<\/em> Anzusehen ist dem schmalen Waldweg diese Vergangenheit nicht, ohne  diese Tafel h\u00e4tte man diesen Wald f\u00fcr einen ganz normalen Wald gehalten. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter f\u00fchrt der Weg wieder steil bergan, bis wir die H\u00f6he des Himmelreichs, ein Gipsmassiv, erklommen haben, die von lichtem Buchenwald bedeckt ist. Ein erster Ausblick auf die Landschaft unter uns \u00f6ffnet sich mit dem Hexentanzplatz, ein angelegtes Plateau mit einer Hinweistafel, auf der in handgeschriebenen Druckbuchstaben, m\u00f6glicherweise von Kindern geschrieben, zu lesen ist:<br \/>\n<em>&#8222;Hier befand ich eine Kultst\u00e4tte der damals hier lebenden Chatten. Die Walkenrieder M\u00f6nche nannten den Berg Himmelreich. Unter uns befindet sich eine gro\u00dfe H\u00f6hle. Schon immer verlief hier eine Grenze. Unter der Beherrschung Napoleons wurden hier die Grenzen bewacht, denn der Schmuggel bl\u00fchte.<br \/>\nIm 18. Jahrhundert holten die Ellricher Burschen, am ersten Pfingsttag, bei Sonnenaufgang, mit lustigem Gesang ihre Pfingstbraut, mit welcher sie ein Jahr tanzen mu\u00dften. M\u00e4dchen bildeten einen Kreis und hatten einen Birkenzweig in der Hand, den Burschen waren die Augen verbunden, hielt er bei der Bewegung des Kreises einen Zweig fest, so war sie seine Pfingstbraut&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Sachen gibt\u2019s\u2026 und Ellrich kennt noch andere Sagen. So soll es einst ein z\u00fcnftiges Gelage gegeben haben, bei der alle Ritter aus der ganzen Umgebung zu einem Trinkwettbewerb antraten. Der t\u00fcchtigste Trinker mu\u00dfte alle andere unter den Tisch trinken, selbst aber noch imstande sein, aufrecht den Siegespreis, eine schwere goldene Kette, entgegenzunehmen, sie umzuh\u00e4ngen und sich dem Volk von Ellrich als Sieger zu pr\u00e4sentieren. Diesen Wettbewerb soll der ber\u00fcchtigte Graf Ernst von Klettenburg f\u00fcr sich gewonnen haben, nahm die Kette, bestieg sein Ro\u00df und sprengte in wildem Galopp mitten vor den Altar der Kirche des heiligen Nikolaus in Ellrich. Als Strafe f\u00fcr seinen Frevel wurde er vom Blitz getroffen, nur die vier Hufeisen des Pferdes blieben von Ro\u00df und Reiter \u00fcbrig. Diese sollen noch lange an der Kirchent\u00fcr angenagelt gehangen sein, um im Volk das Bewu\u00dftsein f\u00fcr solche Schandtaten und deren Bestrafung wachzuhalten. (1)<\/p>\n<p>Eine ganz reale Besonderheit ist allerdings die oben schon erw\u00e4hnte gro\u00dfe H\u00f6hle, die Himmelreichh\u00f6hle. Ihre Wasser verbinden die unterhalb des Himmelreichs gelegenen Gew\u00e4sser, die Pontelteiche mit dem <a href=\"http:\/\/www.harzlife.de\/teiche\/itelteich.html\" target=\"_blank\">Itelteich<\/a>. Entdeckt wurde diese H\u00f6hle w\u00e4hrend der Bauarbeiten eines Eisenbahntunnels durch das Gipsmassiv des Himmelreichs. Ihre Ausma\u00dfe stellen alle nat\u00fcrlichen Hohlr\u00e4ume in deutschen Mittelgebirgen in den Schatten: mit 170 Meter L\u00e4nge, 85 Meter Breite und 15 Meter Deckenh\u00f6he hat sie wahrhaft riesenhafte Ausma\u00dfe. \u00dcber Tunnelbau und Entdeckung, Sicherung und Nutzung der H\u00f6hle findet sich folgendes spannende Dokument im Netz: <a href=\"http:\/\/www.karstwanderweg.de\/publika\/vdhk\/16\/29-44\" target=\"_blank\">Fritz Reinboth, Die Himmelreichh\u00f6hle bei Walkenried und ihre Geschichte<\/a>.<\/p>\n<p>Wundersch\u00f6n ist es hier oben im Himmelreich, knorrige Buchen bilden eigenartige Formationen, der Weg verl\u00e4uft weich und sch\u00f6n geschwungen an der Abbruchkante entlang, und immer wieder \u00f6ffnet sich ein romantischer Blick auf Klippen und den weit unten liegenden <a href=\"http:\/\/www.karstwanderweg.de\/kww048.htm\" target=\"_blank\">Itelteich<\/a>. Es ist noch lange nicht Abend, und eigentlich haben wir uns vorgenommen, auch Walkenried noch zu passieren, aber durch die Baumkronen hindurch sehen wir dunkle, m\u00e4chtige Gewitterwolken aufziehen. Immer wieder donnert es in der Ferne. So beschlie\u00dfen wir, die Schutzh\u00fctte im Himmelreich als Nachtquartier zu beziehen und somit zumindest ein festes Dach \u00fcber dem Kopf zu haben, wenn das Gewitter heranzieht. Wir haben Gl\u00fcck: uns trifft es nicht, es zieht vor\u00fcber, ohne das Himmelreich zu ber\u00fchren. Sp\u00e4ter lesen wir in einer regionalen Zeitung, da\u00df das Unwetter dieser Nacht in mehreren Orten, unter anderem in Osterode, f\u00fcr Starkregen und zahlreiche \u00fcberflutete Keller gesorgt hatte \u2026<\/p>\n<p>Das Himmelreich blieb uns also gewogen und machte seinem Name alle Ehre, indem es uns die f\u00fcnfte Fahrtennacht trocken \u00fcberstehen lie\u00df!<\/p>\n<p><div id=\"attachment_1979\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/?attachment_id=1979\" rel=\"attachment wp-att-1979\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1979\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Blick-vom-Himmelreich-auf-den-Itelteich.jpg\" alt=\"Blick vom Himmelreich auf den Itelteich\" width=\"632\" height=\"474\" class=\"size-full wp-image-1979\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Blick-vom-Himmelreich-auf-den-Itelteich.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Blick-vom-Himmelreich-auf-den-Itelteich-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1979\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Himmelreich auf den Itelteich<\/p><\/div><br \/>\n<\/font><\/p>\n<p><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"1\"><br \/>\n(1) ausf\u00fchrlicher: Die vier Hufeisen zu Ellrich in: Im Zauberbann des Harzgebirges. Harz-Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann, neu herausgegeben von Eva Gussek, Verlag Dr. Bussert &#038; Stadeler, Jena\/ Quedlinburg 2002, S. 187 f.<\/font><br \/>\n<font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.07.2012 \u2013 Einige Zeit geht es durch den Wald, dann sehen wir vom Waldrand aus das Dorf H\u00f6rningen vor uns liegen, das wir aber nicht durchqueren werden. Unser Weg f\u00fchrt am Waldrand entlang bis zum Naturschutzgebiet Sattelk\u00f6pfe. 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