{"id":231,"date":"2011-07-14T15:01:44","date_gmt":"2011-07-14T15:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/waldesleuchten.de\/?p=231"},"modified":"2018-05-23T18:03:31","modified_gmt":"2018-05-23T18:03:31","slug":"feuerrede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldesleuchten.de\/?p=231","title":{"rendered":"Feuerrede"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Feuer2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Feuer2.jpg\" alt=\"Feuer\" title=\"entflammtes Feuer\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignright size-full wp-image-275\" \/><\/a><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"><br \/>\nFreiheit. Freiheit ist ein Wort, das sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht. Immer schon haben sich Menschen nach individueller Freiheit,\u00a0 Freiheit f\u00fcr ihre Familien oder ihr Volk gesehnt, daf\u00fcr \u00fcbermenschliche Anstrengungen oder gar den Tod auf sich genommen.<!--more--><\/p>\n<p>Auch in Deutschland ist das nicht anders. Und gerade in Deutschland , gerade in der Neuzeitgeschichte Deutschlands war Freiheit nie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sondern immer mit Sehnsucht, Erringen und hohem pers\u00f6nlichem Opfer verbunden.<\/p>\n<p>Erst in j\u00fcngster Zeit, nach dem zweiten Weltkrieg im westlichen Teil Deutschlands, seit der Wiedervereinigung auch im \u00f6stlichen Teil der Bundesrepublik, schien Freiheit etwas geworden zu sein, das einem von Geburt an in Form von Grund- und Menschenrechten zusteht. Es schien, als ginge die Freiheit goldenen Zeiten entgegen, als sei es nicht mehr notwendig, daf\u00fcr Opfer zu bringen, darum zu ringen, sich daf\u00fcr einzusetzen.<\/p>\n<p>Doch auch dieser Schein br\u00f6ckelt. Wenn wir die Medienberichterstattung seit dem 11. September 2001 betrachten, fallen uns zunehmend Vorhaben auf, die unsere Sicherheit garantieren sollen. Zuweilen ist auch von westlichen Freiheiten die Rede, die es zu verteidigen gilt.<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen zur Verteidigung westlicher Freiheiten lauten: biometrische Reisep\u00e4sse, Fluggastdatenspeicherung, EU-Zentraldatei f\u00fcr Fingerabdr\u00fccke, Vorratsdatenspeicherung, EU-Haftbefehl, Nacktscanner, Steueridentifikationsnummer, Einsatz der Bundeswehr im Inneren, \u00a0Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, Mautsystem an Autobahnen, Bundestrojaner, Video\u00fcberwachung.<\/p>\n<p>Ist das die Freiheit, westliche Freiheit, die unseren Sehns\u00fcchten und W\u00fcnschen entspricht? Hat Freiheit, so gebraucht, noch ihren alten, sch\u00f6nen Klang, das Feuer, das die Herzen entz\u00fcndet und ergreift?<\/p>\n<p>Ilija Trojanow und Juli Zeh haben in ihrem Buch \u201eAngriff auf die Freiheit\u201c folgende Zeilen geschrieben:<\/p>\n<p><em>Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann eine Demokratie untergeht, wann ein Rechtsstaat zur leeren H\u00fclle verkommt. Es gibt kein Ma\u00dfband, keine Stoppuhr, keinen Lackmustest. Nirgendwo warnt ein Schild: \u201eVorsicht! Sie verlassen jetzt den demokratischen Sektor!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Im historischen R\u00fcckblick mag es im jeweiligen Fall offensichtlich scheinen, ab welchem Punkt die Freiheit irreversibel besch\u00e4digt wurde \u2013 im Falle des Nationalsozialismus etwa durch das Erm\u00e4chtigungsgesetz vom 24. M\u00e4rz 1933. Dann wird in die Vergangenheit hineingefragt: \u201eWie konntet ihr das drohende Unheil nicht erkennen? Das mu\u00dftet Ihr doch kommen sehen! Warum habt ihr euch nicht gewehrt?\u201c Und als Antwort h\u00f6ren wir nur das schwindelerregende Schweigen angesichts des scheinbar unaufhaltsamen Laufs der Dinge.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine treffende Selbstdiagnose aus der Mitte des unmittelbaren Geschehens heraus ist ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Uns Zeitgenossen fehlt es am notwendigen Abstand; es fehlt schlicht an Kenntnissen \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Verlauf der Ereignisse. Die Folgen politischer Entwicklungen treten mal langsamer, mal schneller ein, stets aber aufeinander aufbauend, sich gegenseitig beeinflussend und daher vielschichtig.<\/em><\/p>\n<p><em>Weil sich die Freiheit eben nicht mit einem Paukenschlag verabschiedet, krankt jedes gut funktionierende System daran, da\u00df sich seine wohlmeinenden Anh\u00e4nger in (falscher) Sicherheit wiegen. Sie vergessen, da\u00df sie ihre Freiheit nicht etwa vom Staat erhalten, sondern da\u00df sie, im Gegenteil, einen Teil ihrer Rechte an den Staat abgeben.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>(Ilija Trojanow\/ Juli Zeh, Angriff auf die Freiheit, S.15)<\/em><\/p>\n<p>Das schwindelerregende Schweigen, das die Autoren in diesem Abschnitt benennen, scheint weniger auf die Zeit des Nationalsozialismus bezogen, als vielmehr unser Heute zu erkl\u00e4ren. Die Autoren haben keinen historischen R\u00fcckblick geschrieben, sondern einen Appell an den Einzelnen, die b\u00fcrgerlichen Freiheiten zu verteidigen.<\/p>\n<p>Wir wollen jetzt das Feuer entz\u00fcnden.<\/p>\n<p><em>\u201eFreiheit ist ein Wert, der von jeder Generation, von jedem Einzelnen neu erk\u00e4mpft und verteidigt werden mu\u00df. Auch von uns.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Denn ernsthafter Widerstand in der Bev\u00f6lkerung gegen die vermeintlichen Notwendigkeiten des Kampfs gegen den Terror bleibt aus. Zwar gibt es B\u00fcrgerinitiativen und Menschen, die in manchen F\u00e4llen eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht anstrengen. Aber es gibt keine ernstzunehmenden Massendemonstrationen, und Politiker, Wissenschaftler und Zeitungsredaktionen werden nicht mit ungez\u00e4hlten Protestbriefen \u00fcbersch\u00fcttet, wenn sie neue Ideen in der \u00d6ffentlichkeit ausbreiten, wie mit mehr \u00dcberwachung die Sicherheit aller verbessert werden soll. Manchmal scheint es, es liege eine L\u00e4hmung \u00fcber dem Land. Und wenn man in sich hineinhorcht, findet man dieselbe L\u00e4hmung auch in sich selbst.<\/p>\n<p>Woher kommt diese L\u00e4hmung? Warum wehren wir uns nicht, sondern nehmen alle politischen, gesetzlichen Einschnitte hin, die sowohl unsere pers\u00f6nliche, individuelle Freiheit beschr\u00e4nken als auch \u2013 in der Abgabe von Souver\u00e4nit\u00e4t an die EU \u2013 unsere Freiheit als Volk, unsere Geschicke, unsere Zukunft selbst zu bestimmen?<\/p>\n<p>Deutsche Freiheit: Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb dar\u00fcber ein Gedicht:<\/p>\n<p><em>\u201eDeutsche Freiheit lebet nur im Liede.<\/em><br \/>\n<em>Deutsches Recht \u2013 es ist ein M\u00e4rchen nur!<\/em><br \/>\n<em>Deutschlands Wohlfahrt ist ein Friede<\/em><br \/>\n<em>Voll von Willk\u00fcr und Zensur!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Warum f\u00fchlen wir darin unsere Situation auch heute wieder durchaus treffend charakterisiert, unternehmen aber keine Versuche, daran etwas zu \u00e4ndern?<\/p>\n<p>Die Antwort darauf ist nicht einfach zu finden. Im Gegensatz zur Vergangenheit droht uns heute keine Gefahr f\u00fcr Leib und Leben. Wir w\u00fcrden keine KZ-Haft riskieren, keine Ermordung, keine Todesstrafe aufgrund politischer Mi\u00dfliebigkeit, der etwa die Wei\u00dfe Rose zum Opfer fiel. Und doch nehmen wir hin, f\u00fchlen unsere Ohnmacht im Lauf der Zeiten und schweigen.<\/p>\n<p>Wo ist unsere Zivilcourage? Wo zeigen wir Gesicht? Wo sind wir mutig, wo mucken wir auf?<\/p>\n<p>Wir tun es nicht, obwohl diese Zeiten als Zeiten der Zivilcourage geradezu gefeiert werden. An einer alten Wahrheit scheint viel dran zu sein: wo manche Worte geradezu inflation\u00e4r gebraucht werden, findet sich in ihnen am wenigsten Inhalt und Leben.<\/p>\n<p>Wir singen jetzt das Lied: die Gedanken sind frei.<\/p>\n<p>Selbst dieses Lied enth\u00e4lt eine Strophe, die mich beim Singen jedesmal erschauern l\u00e4\u00dft. Habt Ihr einmal dar\u00fcber nachgedacht, da\u00df diese L\u00e4hmung, das ohnm\u00e4chtige Schweigen bereits in diesem Lied besungen werden?<\/p>\n<p><em>\u201eIch denke, was ich will und was mich begl\u00fccket, und alles in der Still, und wie es sich schicket.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die stille, die erlaubte Zivilcourage, die Freiheit mit Genehmigung: ja, das ist es durchaus, was wir heute erleben.<\/p>\n<p>Die Antwort nach dem Warum steht noch immer aus, und die Antwort ist keineswegs leicht zu finden. Ich glaube, da\u00df die Passivit\u00e4t, die unser Leben dominiert, einen guten Teil der Antwort enth\u00e4lt. Passivit\u00e4t, die aus dem Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte resultiert.<\/p>\n<p>Statt gemeinsamer Unternehmungen sitzen wir vor dem Fernseher und lassen uns berieseln mit dem fiktiven oder realen Leben anderer. Statt selbst Musik zu machen, h\u00f6ren wir Radio und CDs. Auch unsere Nahrung kaufen wir als Fertiggericht im Supermarkt. Wir sehen weder, wie die Pflanzen und Tiere, die wir essen, gro\u00df wurden, noch wissen wir, welche Arbeit und M\u00fche hinter ihrer Aufzucht steckt. Genauso ist es mit unserer Kleidung: auch hier kaufen wir passiv ein. Wir lesen Zeitung und hoffen darauf, da\u00df andere die Dinge, die uns st\u00f6ren, schon thematisieren oder ausr\u00e4umen werden.<\/p>\n<p>Vielleicht trifft das f\u00fcr uns in den B\u00fcnden nicht ganz so drastisch zu. Immerhin: wir machen noch selbst Musik, singen noch selbst Lieder, versuchen, dem Fernseher keine dominierende Rolle in unserem Leben zuzugestehen. Aber auch wir sind eingebunden in die Kette der ges\u00e4ttigten Passivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf der politischen Ebene wird diese L\u00e4hmung noch durch die Tatsache gesteigert, da\u00df wir vieles aus Unwissenheit unterlassen. Wer von uns hat denn schon gelernt, wie die rechtlichen Grundlagen aussehen, innerhalb derer man politischen Protest artikulieren kann? Wer von uns hat in der Schule oder an der Universit\u00e4t gelernt, wie man z.B. eine Demonstration anmeldet, was man bei der Gestaltung von Flugbl\u00e4ttern rechtlich beachten mu\u00df, welche Protestrechte man \u00fcberhaupt hat? Wie man eine B\u00fcrgerinitiative organisiert? In welchen F\u00e4llen Volksbegehren zul\u00e4ssig sind, und was man bei der konkreten Ausf\u00fchrung beachten mu\u00df?<\/p>\n<p>Das Rechtssystem im heutigen Deutschland ist auf un\u00fcberschaubare Weise ausdifferenziert und mitunter selbst f\u00fcr Fachleute nicht mehr zu durchdringen. Der Laie steht g\u00e4nzlich hilflos davor und fragt sich, ob seine Aktivit\u00e4t nicht wom\u00f6glich mit einem Bein in den Gesetzesversto\u00df f\u00fchrt \u2013 die Folge ist: Passivit\u00e4t und L\u00e4hmung. Wir schweigen aus Angst, pers\u00f6nlich haften zu m\u00fcssen f\u00fcr etwas, das wir nicht absch\u00e4tzen konnten, wir schweigen aus Angst vor juristischen Folgen, die uns sowohl zeitliche als auch finanzielle Ressourcen kosten w\u00fcrden, die wir nicht haben.<\/p>\n<p>Und wir schweigen, weil wir das Gef\u00fchl haben, da\u00df die sp\u00e4testens seit 68 etablierten Formen des Protestes nicht mehr n\u00fctzen.\u00a0 Ich habe nicht nur einmal in meinem Leben Demonstrationen besucht, eine zeitlang sogar ziemlich regelm\u00e4\u00dfig. Was zur\u00fcckblieb, war jedesmal ein Gef\u00fchl von tiefer Depression: alles war bunt, laut, voller Luftballons und Kinderw\u00e4gen, ein paar markige \u2013 und sachlich h\u00e4ufig wenig fundierte \u2013 Worte wurden gesprochen, und anschlie\u00dfend ging man ein Eis essen oder in die Pizzeria. Ge\u00e4ndert hat sich nichts, all das Bunte, Laute, Aufmuckende ist zur Institution geworden, die den Status quo nur befestigt, nicht ersch\u00fcttert. Die Unzufriedenheit mit manchen politischen Verl\u00e4ufen wurde in Demonstrationsfesten kanalisiert und dort befriedet. Die Ziele, aufgrund derer eine solche Demonstration stattfand, wurden regelm\u00e4\u00dfig nicht erreicht, denn von solchen Demonstrationen geht kein Einflu\u00df mehr aus. Zur\u00fcck bleibt Ratlosigkeit: wenn die alten Formen des Protests sich \u00fcberlebt haben, nur noch Eventcharakter besitzen \u2013 was f\u00fcr neue Formen w\u00e4ren dann heute m\u00f6glich und notwendig? Jedes Experiment scheint bereits durchgef\u00fchrt, jeder Tabubruch zur Norm geworden und damit in seinem Effekt verbla\u00dft.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir tun? Ich denke oft dar\u00fcber nach, und die Antwort, die ich f\u00fcr mich finde, ist jedesmal dieselbe. Es ist eine Antwort, die sich im Wesentlichen aus zwei Anteilen speist.\u00a0<\/p>\n<ol>\n<li>Der Passivit\u00e4t im eigenen Leben nachgehen und an den wichtigen Stellen durch Aktivit\u00e4t ersetzen.<\/li>\n<li>Die Arbeit am \u00dcberwinden von Angst.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Insbesondere das \u00dcberwinden von Angst erscheint mir als Grundlage f\u00fcr jedes weitere Engagement.<\/p>\n<p>Ernst J\u00fcnger schrieb in seinen Tagebuchnotizen \u201eStrahlungen I\u201c:<\/p>\n<p><em>&#8222;Immer lockt auch die nackte Furcht das Schreckliche herbei. So reizt, wer flieht, schon zur Verfolgung an; und so belauert ein Mensch, der B\u00f6ses plant, sein Opfer &#8211; die letzte Schranke wird fallen, wenn er Zeichen der Angst an ihm erkennt. Daher ist es sehr wichtig, da\u00df man bei verd\u00e4chtigen Renkontres, etwa wenn man im Walde angesprochen wird, die Sicherheit bewahrt.<\/em><\/p>\n<p><em>In unserer Eigenschaft als Menschen verf\u00fcgen wir \u00fcber Hoheitssiegel, die schwer zu brechen sind, wenn wir sie nicht selbst besch\u00e4digen, und deren Bann auch von den Tieren empfunden wird. Man mu\u00df nur wissen,(&#8230;), da\u00df man unverletzlich ist.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Man mu\u00df nur wissen, da\u00df man unverletzlich ist. Dieser Satz ist der Schl\u00fcssel zur inneren Freiheit.<\/p>\n<p>Das Erlangen der inneren Freiheit ist keine Revolte gegen das Schicksal, keine Revolte gegen die Zeit, in der wir leben. Es ist eine individuelle Umkehr der Priorit\u00e4ten und eine pers\u00f6nliche Ankoppelung an Kr\u00e4fte, die \u00fcber den Zeitverl\u00e4ufen stehen. Und es ist kein Proze\u00df, der sich von heute auf morgen vollziehen lie\u00dfe. Die Art und Weise, wie\u00a0 wir aufgewachsen sind und erzogen wurden, das gute Leben, an das wir gew\u00f6hnt sind, steht diesem Proze\u00df im Wege.<\/p>\n<p>Aus meinen sieben Jahren Lateinunterricht an der Schule blieb mir ein einziger Satz ins Ged\u00e4chtnis gebrannt erhalten, wenn auch leider nur sinngem\u00e4\u00df und in Unkenntnis des Urhebers: \u201eDu darfst alles tun, sofern Du nur jederzeit damit aufh\u00f6ren k\u00f6nntest.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Satz ist f\u00fcr mich \u2013 genauso wie das obige J\u00fcnger-Zitat, zu einem Schl\u00fcsselsatz geworden. Das gute Leben, an das wir gew\u00f6hnt wurden, die fetten Jahre, in denen wir gro\u00df geworden sind: das ist nichts Verdammenswertes, nichts, was man zwangsweise von sich wegsto\u00dfen sollte. Aber man sollte sein Herz nicht daran h\u00e4ngen: nicht an materiellen Besitz, nicht an eine warme Dusche, an \u00fcberreiche Mahlzeiten, ein symboltr\u00e4chtiges Auto, ein gro\u00dfes Haus, eine beruflich statussichernde Stellung. Man sollte wissen, da\u00df diese Dinge verg\u00e4nglich sind, da\u00df es sich hierbei nicht um lebenslange Garantiescheine handelt, und da\u00df diese Dinge nicht den eigentlichen, bleibenden und dauerhaften Wert eines Menschen ausmachen. Diese Dinge sind allenfalls ein tempor\u00e4res Geschenk. F\u00fcr das Erlangen innerer Freiheit ist eine innere Unabh\u00e4ngigkeit davon essentiell. Und eben das ist nicht leicht, wenn man sein Leben lang an das Vorhandensein dieser Dinge gew\u00f6hnt war. Es gibt kein Patentrezept f\u00fcr diesen Weg, und nicht jeder wird ihn gleich weit gehen.<\/p>\n<p>Was dabei hilft, ist das Ankoppeln an Kr\u00e4fte, die \u00fcber den Zeitverl\u00e4ufen stehen: Vertrauen in das, was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt, in die Gesetze der Natur und den Sinn hinter den geschichtlichen Abl\u00e4ufen. Vertrauen darin, da\u00df unser eigenes Schicksal uns entspricht, das Richtige f\u00fcr uns ist, wie es auch kommen mag. Verzicht darauf, vermeintlich verpa\u00dften M\u00f6glichkeiten hinterherzutrauern oder gegen das eigene Geschick zu hadern. Der Weg, den wir gehen, ist immer der Richtige. Wir k\u00f6nnen nicht irren, weil alles, auch das Traurige, das Angsteinfl\u00f6\u00dfende, das auf den ersten Blick Unbefriedigende unser Schicksal und unser Weg ist. Unsere Aufgabe ist nur, unser Schicksal zu ersp\u00fcren und rein in uns zu entfalten, sich ihm zu \u00f6ffnen, wie es auch kommen mag. Das ist das Ziel, und auf dem Weg dorthin geht die Angst verloren, trotz aller eventueller Konsequenzen.<\/p>\n<p>Aus dieser inneren Freiheit, diesem Vertrauen in die Welt als Ganzes heraus hat kann sich die Kraft entfalten, sich der allgemeinen L\u00e4hmung, der K\u00e4seglockenatmosph\u00e4re, die \u00fcber diesem Land liegt, zu widersetzen und den Wert der Freiheit wieder lodernd und kraftvoll im Herzen zu tragen.<\/p>\n<p>Freiheit ist Leben.<\/p>\n<p>Der Sinn des Lebens ist, zu leben. \u00dcbers Leben hat Herrmann Hesse ein sehr treffendes Gedicht geschrieben, das Gedicht \u201eStufen\u201c:<\/p>\n<p><em>(&#8230;)<\/em><br \/>\n<em>Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe<br \/>\nbereit zum Abschied sein und Neubeginne,<br \/>\num sich in Tapferkeit und ohne Trauern<br \/>\nin and&#8217;re, neue Bindungen zu geben.<br \/>\n<\/em><br \/>\n<em>(&#8230;)<\/em><br \/>\n<em>Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde<br \/>\nuns neuen R\u00e4umen jung entgegen senden:<br \/>\ndes Lebens Ruf an uns wird niemals enden.<br \/>\n<\/em><br \/>\n<em>(&#8230;)<\/em><\/p>\n<p>Mit diesem Bewu\u00dftsein, frei zu sein f\u00fcr jeden Lebensruf, wollen wir jetzt die dritte Strophe des Lieds der Deutschen singen: in der Hoffnung auf Recht und Freiheit f\u00fcr uns und unser Volk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>gehalten am 15.05.2010, ver\u00f6ffentlicht in den &#8222;Bl\u00e4ttern der Deutschen Gildenschaft&#8220;, 2010<\/em><\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit. Freiheit ist ein Wort, das sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht. 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