{"id":2626,"date":"2013-12-27T10:31:57","date_gmt":"2013-12-27T10:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/waldesleuchten.de\/?p=2626"},"modified":"2018-05-23T18:20:18","modified_gmt":"2018-05-23T18:20:18","slug":"unheimlicher-wald-am-regenstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldesleuchten.de\/?p=2626","title":{"rendered":"Unheimlicher Wald am Regenstein"},"content":{"rendered":"<p><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"><div id=\"attachment_2636\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regensteinm\u00fchle.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2636\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regensteinm\u00fchle.jpg\" alt=\"Regensteinm\u00fchle\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"size-full wp-image-2636\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2636\" class=\"wp-caption-text\">Regensteinm\u00fchle<\/p><\/div>02.09.2013: Auch heute steht nur eine kleine Wanderung auf dem Programm, die man besser sogar nur als Spaziergang bezeichnen sollte. Aufgrund einiger Besonderheiten soll sie hier dennoch erw\u00e4hnt werden.<br \/>\nUnser Startpunkt ist ein Parkplatz an der Stra\u00dfe, die von Blankenburg aus zur B81 f\u00fchrt (von Blankenburg kommen rechts gelegen). Wir verlassen den Parkplatz an seinem S\u00fcdende, gehen ein kurzes St\u00fcck am Rand eines Ackers entlang und folgen dem M\u00fchlenweg, der neben einem Graben einherf\u00fchrt, bis zur Ruine der Regensteinm\u00fchle. Achtung! Der Weg ist teilweise durch Felsabs\u00e4tze etwas beschwerlich und f\u00fcr gro\u00dfe alte Hunde nicht ohne weiteres begehbar bzw. nur unter Einsatz von menschlicher K\u00f6rperkraft (kurzzeitiges Tragen des Hundes).  Vom Bauwerk der M\u00fchle selbst ist nicht mehr viel erhalten, in erster Linie die Spuren, die der M\u00fchlenbetrieb im Sandstein hinterlassen hat, so etwa eine Laufrinne f\u00fcr ein Maultier sowie Furchen f\u00fcr die M\u00fchlr\u00e4der. Zu Demonstrations- und Tourismuszwecken wurden hier neue M\u00fchlr\u00e4der eingesetzt.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_2635\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen-im-Heers.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2635\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen-im-Heers.jpg\" alt=\"Sandh\u00f6hlen im Heers\" width=\"632\" height=\"466\" class=\"size-full wp-image-2635\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen-im-Heers.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen-im-Heers-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2635\" class=\"wp-caption-text\">Sandh\u00f6hlen im Heers<\/p><\/div>\n<p>Nachdem wir die M\u00fchle ausf\u00fchrlich begutachtet haben, wollen wir weiter zu den Sandh\u00f6hlen im Heers (so hei\u00dft das Waldst\u00fcck hier) am Fu\u00df des Regensteins. Ausgeschildert ist der Weg dorthin jedoch nicht, und im hiesigen Eichen- und Kiefernwald verlaufen gef\u00fchlte tausend kleine Wege und Pfade in s\u00e4mtliche Richtungen. Ein Kompa\u00df w\u00e4re jetzt nicht verkehrt, dabei haben wir allerdings keinen. Wir entscheiden uns, direkt hinter der M\u00fchle nach links hinunterzugehen bis zum n\u00e4chsten halbwegs gr\u00f6\u00dferen Weg, dem wir nach rechts folgen (ausgeschildert mit &#8222;Bahnhof B\u00f6rnecke&#8220;). Nach einiger Zeit sehen wir etwas hell durch den Wald schimmern und gehen auf schmalem Pfad dorthin. Helle H\u00f6hlen im Sandstein \u2013 ja! Allerdings sind wir noch nicht am eigentlichen gro\u00dfen Platz angelangt, sondern nur an einer Gruppe von Nebenh\u00f6hlen, von denen es in diesem Wald so einige geben soll. Daher gehen wir wieder zur\u00fcck auf unseren letzten gr\u00f6\u00dferen Weg und haben Gl\u00fcck: wir begegnen einem ortskundigen Ehepaar, das uns den Weg zu den Sandh\u00f6hlen n\u00e4her beschreibt: zuerst nach rechts dem gr\u00f6\u00dferen Forstweg folgen, dann den dritten Weg nach links nehmen an einer Stelle, an der man die Burg Regenstein vom Tal aus sehen kann. Tats\u00e4chlich finden wir auf diese Weise den &#8222;eigentlichen&#8220; Platz der Sandh\u00f6hlen \u2013 und es lohnt sich wirklich, diese zu besichtigen!<\/p>\n<div id=\"attachment_2638\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2638\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen.jpg\" alt=\"Sandh\u00f6hlen im Heers\" width=\"632\" height=\"393\" class=\"size-full wp-image-2638\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandh\u00f6hlen-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2638\" class=\"wp-caption-text\">Sandh\u00f6hlen im Heers<\/p><\/div>\n<p>Gro\u00dfe H\u00f6hlungen im fast wei\u00dfen Sandstein bilden eine Art befestigten Kreis um eine tiefergelegene Fl\u00e4che, die nicht bewachsen ist, sondern einem riesenhaften Sandkasten gleicht. Im Sandstein der H\u00f6hlen haben zahlreiche Besucher ihre Einritzungen hinterlassen. Wir gehen umher und erkunden das Gel\u00e4nde, dann machen wir uns wieder auf den R\u00fcckweg zum Parkplatz. Man k\u00f6nnte gut und gerne von hier aus \u2013 sogar ausgeschildert \u2013 hinauf auf den Regenstein wandern, aber so eine Steigung schafft der Hund einfach nicht mehr. Aufgrund der verwirrenden Wegedichte gehen wir auf unserem Hinweg \u2013 \u00fcber die Ruine der Regensteinm\u00fchle \u2013 auch wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<div id=\"attachment_2634\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandhoehlen-im-Heers.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2634\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandhoehlen-im-Heers.jpg\" alt=\"Sandh\u00f6hlen im Heers\" width=\"632\" height=\"396\" class=\"size-full wp-image-2634\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandhoehlen-im-Heers.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sandhoehlen-im-Heers-300x187.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2634\" class=\"wp-caption-text\">Sandh\u00f6hlen im Heers<\/p><\/div>\n<p>Der Heers ist ein sehr seltsamer Wald, in dem wir uns hier bewegen. Er hat eine v\u00f6llig andere Charakteristik als der Harz \u00fcberall sonst. Auf Sandboden wachsen knorrige Eichen und Kiefern, keinerlei Wind regt sich, die Luft steht vollkommen \u2013 eine unangenehme Schw\u00fcle herrscht hier an diesem eigentlich gar nicht so hei\u00dfen Tag. Der Wald wirkt auch unabh\u00e4ngig davon irgendwie &#8222;anders&#8220;, unabh\u00e4ngig auch von der schwierigen Orientierung \u2013 feindlich fast, dr\u00fcckend und unheimlich. An manchen Stellen klingt der Boden dumpf, als f\u00e4nden sich zahlreiche Hohlr\u00e4ume unter den von uns begangenen Wegen. Helle H\u00f6hlen schimmern hier und da durch den Wald, der vermutlich von unterirdischen G\u00e4ngen zum Regenstein hinauf durchl\u00f6chert ist wie ein Schweizer K\u00e4se.<\/p>\n<p>Die Gegend um den Regenstein war lange Zeit Schauplatz heftiger K\u00e4mpfe. Seit Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Regenstein zur Festung ausgebaut; Streitigkeiten zwischen Braunschweig und Preu\u00dfen waren f\u00fcr die Gegend pr\u00e4gend. Im Siebenj\u00e4hrigen Krieg gingen von franz\u00f6sischen Besatzern intensive Pl\u00fcnderungsz\u00fcge in die ganze Umgebung aus. Harte K\u00e4mpfe mit der preu\u00dfischen Armee folgten. (1) Ist der Wald vielleicht hier so &#8222;anders&#8220;, weil unter seinem Boden zahlreiche Tote liegen, die einen grausamen Tod gestorben sind? Sind die Seelen der Toten in die Ausstrahlung, die Seele des Waldes eingegangen? So genau m\u00f6chte man gar nicht wissen, was der Waldboden alles deckt, und keinesfalls versp\u00fcrt man das Bed\u00fcrfnis, in diesem Waldst\u00fcck, beispielsweise auf Fahrt, eine Nacht zu verbringen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2639\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ruine-Regenstein.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2639\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ruine-Regenstein.jpg\" alt=\"Ruine Regenstein\" width=\"632\" height=\"415\" class=\"size-full wp-image-2639\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ruine-Regenstein.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ruine-Regenstein-300x196.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2639\" class=\"wp-caption-text\">Ruine Regenstein<\/p><\/div>\n<p>Nachdem wir unseren Ausgangspunkt wieder erreicht haben, fahren wir von hier aus direkt zum Regenstein und besichtigen seine gewaltige Ruine. Ein absolut lohnenswertes, faszinierendes Ziel, das einem zudem noch gro\u00dfartige Ausblick auf das Harzvorland verschafft. Wahrscheinlich hatte der Regenstein, dessen Name m\u00f6glicherweise von alts\u00e4chsisch <em>Regin<\/em>, &#8218;hochragend, erhaben&#8216;, oder von gotisch <em>Regin<\/em>, &#8218;Rat, Ratschlu\u00df&#8216;, stammt, schon in fr\u00fchgeschichtlicher Zeit Bedeutung. Am 21. Juni (Sommersonnwende) ist etwa die aufgehende Sonne genau in der Mitte einer augearbeiteten \u00d6ffnung im Kleinen Burgverlies zu sehen. Einer anderen Erz\u00e4hlung zufolge soll der Regenstein nach dem Jahr 479 von einem im Kampf Ausgezeichneten erbaut worden sein; \u00e4ltere Schriften nennen K\u00f6nig Heinrich I. als Bauherr. 1162 wurde der Regenstein erstmals urkundlich erw\u00e4hnt.(2)<\/p>\n<p>Die bedr\u00fcckenden Eindr\u00fccke des Waldes Heers geraten f\u00fcr kurze Zeit in Vergessenheit, bleiben mir aber dennoch f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage erhalten. Vielleicht sind Menschen mit etwas weniger Empfindsamkeit, aber mehr robuster Abenteuerlust bei den Sandh\u00f6hlen im Heers besser aufgehoben!<\/p>\n<p><div id=\"attachment_2633\" style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regenstein.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2633\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regenstein.jpg\" alt=\"Regenstein\" width=\"632\" height=\"415\" class=\"size-full wp-image-2633\" srcset=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regenstein.jpg 632w, https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Regenstein-300x196.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2633\" class=\"wp-caption-text\">Regenstein<\/p><\/div><\/font><\/p>\n<p><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"1\"><\/p>\n<p>(1)Wanderheft 23: Blankenburg am Harz &#8211; Regenstein-Teufelsmauer-Michaelstein, VEB Tourist, Berlin 1982, S. 36<br \/>\n(2)Wanderheft 23: Blankenburg am Harz &#8211; Regenstein-Teufelsmauer-Michaelstein, VEB Tourist, Berlin 1982, S. 30f.<\/font><br \/>\n<font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>02.09.2013: Auch heute steht nur eine kleine Wanderung auf dem Programm, die man besser sogar nur als Spaziergang bezeichnen sollte. 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