{"id":686,"date":"2011-10-25T20:41:04","date_gmt":"2011-10-25T20:41:04","guid":{"rendered":"http:\/\/waldesleuchten.de\/?p=686"},"modified":"2018-05-23T18:05:51","modified_gmt":"2018-05-23T18:05:51","slug":"augen-im-nebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldesleuchten.de\/?p=686","title":{"rendered":"Augen im Nebel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Nebel2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Nebel2.jpg\" alt=\"Baum im Nebel\" title=\"Baum im Nebel\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignright size-full wp-image-689\" \/><\/a><font face=\"Arial,Helvetica,Geneva,Swiss,SunSans-Regular\" size=\"2\"><br \/>\nJetzt, wo der Herbst un\u00fcbersehbar wird und die Morgen schon wieder in Nebel getaucht beginnen, werden Erinnerungen an ein besonderes Harzerlebnis wieder wach, das ich vor einigen Jahren hatte.<br \/>\nAuch dies im Herbst, in einem Oktober, der weniger golden war als der diesj\u00e4hrige.<!--more--><\/p>\n<p>Ich war im Hochharz unterwegs, in der Gegend um den Clausthaler Flutgraben und Oderteich, allein, nur der Hund mit dabei, und der Nebel stand so dicht, da\u00df man kaum zwei, drei Meter weit sehen konnte. Kein Mensch sonst war unterwegs, die Luft dicht wie aus grauem Samt. Ein Auerhahn flog, ein dunkler Schatten, quer \u00fcber den Weg, und der Wind strich mit seltsamem, pfeifendem Ger\u00e4usch durch abgestorbene Baumst\u00e4mme. In der Ferne waren einzelne Rufe von Rothirschen in der Brunftzeit zu h\u00f6ren, abgerissen, je nachdem, wie der Wind stand und was er mit sich trug.<\/p>\n<p>Und auf einmal wurde die Welt zu einer anderen. Die Wahrnehmung, irgendwo dort im Wald sei etwas, wurde immer st\u00e4rker. Unsichtbare Augen im Nebel, beobachtend, was ich, dieser seltsame, einzelne Mensch dort drau\u00dfen, dort machte, wohin ich ging. Seltsamerweise hatte ich keinerlei Gef\u00fchl von Angst dabei, es schien eher, als seien es wohlwollende Augen, die mich dort im Nebel beobachteten. H\u00e4tte ich diese Empfindung gehabt, und gleichzeitig an keiner anderen Reaktion festmachen k\u00f6nnen, da\u00df sie mehr sei als nur Einbildung, h\u00e4tte ich geglaubt, Nebel und Einsamkeit h\u00e4tten meine Sinne verwirrt. Aber auch der Hund war anders als sonst. Er, der bisher nie Angst im Wald und bei Nebel gezeigt hatte, hatte offenbar eine genau entgegengesetzte Wahrnehmung zu der meinen: er zog die Rute weit unter den Bauch, blickte sich alle paar Meter \u00e4ngstlich um, als h\u00e4tten seine feineren Sinne noch weit mehr wahrgenommen als die meinen.<\/p>\n<p>Es war nicht nur das Gef\u00fchl, da\u00df dort im Nebel Augen seien, nein, der ganze Wald schien wesenhaft zu werden, nicht nur Ansammlung aus B\u00e4umen, Tieren und Moos, nein, er erschien wie ein ganz eigenes, komplexes, k\u00f6rperhaftes Lebendiges. Die Rufe der Kolkraben unterstrichen noch, was hier geschah: eine Verwandlung der ganzen Landschaft, und ein Ruf an die Tiefen der eigenen Seele\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Nebel3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/waldesleuchten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Nebel3.jpg\" alt=\"Aiko\" title=\"Aiko\" width=\"225\" height=\"266\" class=\"alignright size-full wp-image-694\" \/><\/a><br \/>\nAls ich mit dem Hund die Gegend um die Flutgr\u00e4ben verlie\u00df, blieben die Augen, die Wesenhaftigkeit des Waldes allm\u00e4hlich zur\u00fcck, und als die erste Stra\u00dfe aus dem Nebel auftauchte, war es vorbei. Ich habe so ein Erlebnis niemals wieder gehabt, trotz zahlreicher weiterer Nebelg\u00e4nge, aber ich kann es auch nicht vergessen, denke immer wieder dar\u00fcber nach, kein Verblassen tr\u00fcbt die Erinnerung. Der Hund hat eine Angst vor Nebel zur\u00fcckbehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt, wo der Herbst un\u00fcbersehbar wird und die Morgen schon wieder in Nebel getaucht beginnen, werden Erinnerungen an ein besonderes Harzerlebnis wieder wach, das ich vor einigen Jahren hatte. 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